Therapieprojekte von Patienten des Massregelvollzugs

 

Vorstellung der Patientenzeitung „Impuls“ des Klinikums am Weissenhof

Die Patientenzeitung „Impuls“ ist bereits eine „alte Dame“ im Maßregelvollzug des Klinikums am Weissenhof. Sie wurde im Juni 2006 ins Leben gerufen. Ziel war es damals, und ist es auch heute noch, den Patienten des Maßregelvollzuges sinnvolle Perspektiven offen zu legen und alternative Beschäftigungs-möglichkeiten während der Zeit ihrer Therapie aufzuzeigen.

Die Teilnahme an dieser „Arbeitsgruppe“ ist freiwillig und wird durch ein multi-professionelles Team begleitet und moderiert. Interessierte Patienten haben hier die Möglichkeit Redaktionsarbeit kennenzulernen und am Entstehungsprozess einer Zeitschrift, von Anfang bis Ende, aktiv teilzuhaben. Sie haben zudem die Gelegenheit selbst mit zu entscheiden, welche Inhalte gedruckt werden sollen und welche nicht. Jeder Patient kann demnach seine Ideen, seine Vorstellungen und damit Teile seiner Persönlichkeit mit einbringen. Die Patienten fühlen sich dadurch insgesamt wertgeschätzt und können positiv davon profitieren. Am Ende steht das gemeinsame Ziel eine informative Zeitschrift von Patienten für Patienten herauszugeben.

Anfangs waren nur suchtmittelabhängige Patienten, welche nach § 64 StGB untergebrachten waren, Teil des Redaktionsteams „Impuls“. Das änderte sich allerdings, als im Jahr 2008 mit einem Neubau die forensische Klinik erweitert wurde und seither auch die Behandlung von psychisch erkrankten Patienten, welche nach § 63 StGB untergebracht werden, begonnen hat.

In regelmäßig stattfindenden Redaktionssitzungen wird gemeinsam diskutiert, werden Texte recherchiert und geschrieben sowie das Layout einer neuen Ausgabe kreiert. Die Inhalte der unterschiedlichen Ausgaben variieren dabei, meist wird aber über klinikinterne Neuheiten informiert und berichtet, es werden Krankheitsbilder und Biografien vorgestellt, oder einfach Geschichten niedergeschrieben, die das Interesse beim Leser wecken könnten oder einen selbst interessieren.

Gedruckt wird die Zeitschrift „Impuls“ in einer Auflage von 200 bis 300 Exemplaren. Die Verteilung der fertigen Zeitschriften geschieht sowohl intern auf den Stationen des Klinikums als auch extern in anderen Forensischen Kliniken bzw. bei Kooperationspartnern.

Die Zusammensetzung des Redaktionsteams, welches meist aus fünf bis acht Patienten besteht, wird u. a. durch Entlassungen und Neuaufnahmen, durch die Motivation und dem allgemeinen Gesundheitsgefühl der Patienten sowie durch die Teilnahme an anderen Therapien indirekt gesteuert. Die Teamfindung spielt demnach immer eine zentrales Rolle bei den ersten Redaktionstreffen. Mit zwei Ausgaben in einem Kalenderjahr wird ein recht hohes Pensum absolviert. Zurzeit arbeitet das „Impuls“-Team an der 12. Ausgabe, welche Ende 2015 herausgebracht werden soll.

 

Vorstellung der Patientenzeitung „Impuls“ des Klinikums am Weissenhof

Draußen blüht und grünt es, die Natur ist aus dem Winterschlaf erwacht, der Frühling hat begonnen. Zeit, nach draußen zu gehen und die Natur zu genießen, sooft es geht: Doch dieses Naturerlebnis, das für viele selbstverständlich ist, können mache Menschen nur begrenzt wahrnehmen. So zum Beispiel Patienten einer Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Im Weinsberger Klinikum am Weissenhof holten sich diese nun die „NaturPur“ in Form von Kunstwerken in ihre Klinik hinein und verwandelten das Treppenhaus und Flure des Klinikgebäudes in ein Naturerlebnis der besonderen Art.

Ende Februar 2014 lud die Klinikleitung der WeinsbergerKlinik für Forensische Psychiatrie, Chefarzt Dr. Matthias C. Michel und Pflegedienstleiterin Alice Stumpf, zur Vernissage der Ausstellung „NaturPur“ in den Maßregelvollzug ein. 24 Patienten, darunter auch inzwischen bereits entlassene, legten im Oktober 2011 den Grundstein für das Projekt, indem sie den Wunsch nach der Gestaltung des Treppenhauses im Forensik-Neubau äußerten.

Das  Ergebnis des Projekts löste bei den Betrachtern Begeisterung und Staunen aus: In zweieinhalb Jahren wurden Bilder, Gemälde, Zeichnungen und Objekte geschaffen, die die bislang nüchternen und schmucklosen Flure des Gebäudes in eine individuelle Treppenhausgalerie verwandeln. Die Werke zeigen, welch kreatives Potential in den Patientinnen und Patienten der Klinik steckt.

Die Patienten hatten sich bei der Planung ihrer Werke mit dem Thema Natur auf vielfältige Weise auseinandergesetzt. Ausgangspunkt war das „Landschaftsmotiv in der Kunstgeschichte“. Angefangen von der Planungsphase, die fast einjährige Arbeit an Skizzen und ersten Entwürfen, zahlreichen Besuchen in Museen und Ausstellungen und bis hin zu der praktischen Arbeit an den einzelnen Gemälden und Werken. Neben der Arbeit an ihren Werken befassten sich die Patientinnen und Patienten auch mit der Kunstgeschichte, mit Künstlern und ihren Werken, was sich teilweise an den Patientenarbeiten widerspiegelt. Die Spanne reichte von Hieronymus Bosch, Lukas Cranach der Ältere über Caspar David Friedrich, Claude Monet bis hin zu Vincent VanGogh.

Im Laufe des Projektes, das von Kunsttherapeut Uwe Neuhaus fachlich begleitet wurde, wurden 223 Pinsel, 116 Bleistifte, 67 Radiergummis und 467 Liter Farbe verbraucht. Die Patienten haben „ihre Augen und ihre Seelen für die Natur geöffnet“, so Uwe Neuhaus. „Ihre Inspiration findet in den vielfältigen Kunstwerken nun Ausdruck“.

 

Therapieunterstützung durch Theaterprojekt

Die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum am Weissenhof in Weinsberg hat zusammen mit zwei Studentinnen der Universität Bayreuth das Theaterprojekt „Maskenfall“ initiiert und auf die Bühne gebracht.

„Maskenfall“ ist ein Theaterprojekt der beiden Studentinnen Hannah Michel und Daniela Adscheid. Sie studieren Theater und Medien an der Universität Bayreuth. Ziel ihres Abschluss- projekts war es, das Thema der schuldhaften Kriminalität mit krankheitsbedingter Unzurechnungsfähigkeit zu thematisieren. Menschen, die aufgrund einer psychischen Krankheit eine Straftat begangen haben, werden in der Öffentlichkeit nicht zuletzt wegen der medialen Berichterstattung sehr negativ wahrgenommen. Diesem Missstand wollten die Studentinnen mit ihrem Projekt entgegenwirken.

Zudem sollte das Mitwirken am Theaterprojekt den Patienten selbst guttun. Sie halfen mit, das Stück zu schreiben, es einzustudieren und auf die Bühne zu bringen. Dadurch sollten sie auch dazu angeregt werden, sich mit ihrer eigenen Identität und Selbstwahrnehmung auseinanderzusetzen. Nach Ansicht der Initiatorinnen kann den Mitwirkenden durch die intensive Zusammenarbeit mit anderen Patienten, aber auch den Therapeuten neue Horizonte aufgezeigt werden, wodurch auch ein besseres Selbstverständnis gefördert wird. Das Theaterstück „Maskenfall“ wurde maßgeblich von Patienten mitgestaltet. Sie schrieben die Texte größtenteils selbst und die drei Charaktere beruhen auf ihren Lebensgeschichten. Das Stück handelt von drei Männern, einem Familienvater, einem Geschäftsmann und einem Pfarrer. Alle drei erfüllen eine Rolle in der Gesellschaft, die sie steuert und ihr Handeln lenkt. Alle leiden unter dem Druck und den Erwartungen, die an sie gestellt werden und brechen letztendlich auf unterschiedliche Weise mit diesen.

Neben den drei Darstellern wirkten noch viele weitere Patienten bei der Durchführung des Projektes mit. Einige waren für die Technik zuständig, andere für die Kostüme oder das Bühnenbild. Das Ergebnis ließ sich bei den beiden öffentlichen Aufführungen am 23. und 24. Februar 2013 bewundern, zudem haben die beiden Studentinnen das ganze Projekt in einem 30-minütigen Film dokumentiert. Der Dokumentarfilm beinhaltet Ausschnitte aus den Proben sowie Interviews mit Patienten. Es soll dem Zuschauer die Menschen hinter der Krankheit nahebringen.

 

Arbeiten mit Tieren auf dem Bauernhof

Neues Therapiemodul an der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum am Weissenhof

Die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie unter der Leitung von Chefarzt Dr. Matthias  C. Michel und Pflegedienstleiterin Alice Stumpf hat ihr Therapieangebot um Arbeits- therapie auf einen Bauernhof ergänzt. Seit Juli 2012 können in diesem praxisbezogenen Bereich bis zu zehn Patienten des Klinikums betreut werden. Das Therapieangebot auf dem Bauernhof richtet sich an Patienten, die nach § 63 und § 64 StGB im Klinikum am Weissenhof untergebracht sind. Oftmals sprechen diese psychisch kranken oder suchtkranken Straftäter aus dem Maßregel- vollzug nicht auf herkömmliche Therapien an. Manche Patienten können sich aufgrund ihrer eingeschränkten Empathiefähigkeit nur schwer in Gefühle anderer Menschen hineinversetzen. Therapien mit Tieren, die ihnen unvoreingenommen und vorurteilsfrei begegnen, haben in solchen Fällen bereits an anderen Standorten gute Ergebnisse erzielt. An diese Therapieerfolge will das Klinikum am Weissenhof mit dem therapeutischen Bauernhof anknüpfen.

Die Patienten arbeiten auf dem Hof in drei Bereichen: Sie versorgen die Tiere, bewirtschaften den Bauerngarten und verarbeiten die dort gewonnenen Produkte in der Bauernküche. Für die Leitung der Arbeitstherapie auf dem Bauernhof ist die Diplom-Agraringenieurin Sintha Preuß verantwortlich. Die Patienten sollen bei der gemeinsamen Arbeit mit den Tieren Halt finden und soziale Kompetenzen erwerben, die für eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft und ein weiteres Leben ohne Straftaten nötig sind.

Doch die Patienten helfen mit der Arbeit auf dem Bauernhof nicht nur sich selbst. Sie setzen sich auch für gefährdeten Haustierrassen ein, deren Fortbestand auf dem Bauernhof sichergestellt wird. Der Hof beheimatet ausschließlich bedrohte Rassen wie Vorwerkhühner, Angorakaninchen, Schwäbisch-Hällische Landschweine, Coburger Fuchsschafe und Original Braunvieh.

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