Lexikon mit Begriffen rund um den Maßregelvollzug

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Fachaufsicht

Beim baden-württembergischen Sozialministerium liegen die Fach- und Rechtsaufsicht über die acht Einrichtungen des Maßregelvollzugs im Land. Die Aufsicht bezieht sich auf das fachliche Handeln sowohl im Hinblick auf die Zweckmäßigkeit als auch auf die Rechtmäßigkeit. Das Land, vertreten durch das Sozialministerium, trägt die Kosten für den Maßregelvollzug.


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Fehleinweisungen, -belegung

Laut forensischen Wissenschaftlern liegt die Rate der Fehleingewiesenen bei der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt bei annähernd 20 Prozent. Diesen Studien zufolge empfehlen Sachverständige immer wieder die Einweisung nach § 64 StGB, obwohl die Einweisungs-Tat nicht im Zusammenhang mit einer Abhängigkeitserkrankung steht. Auch die Prüfung der Erfolgsaussicht bei dieser Maßregel der Besserung und Sicherung erfolgt häufig nicht im erforderlichen Maß: Obwohl die Behandlung oft von vornherein aussichtslos ist, werde sie angeordnet. Fehlplatzierte Patienten beeinflussen das Klima in Einrichtungen des Maßregelvollzugs oft negativ: Sie äußern sich häufig abwertend und feindselig gegenüber Mitpatienten und Personal und wiegeln auf. Durch solche
Verhaltensweisen zwingen sie die Einrichtungen bisweilen zu therapiefeindlichen Gegenmaßnahmen.
Patienten, die gemäß § 64 StGB in einer Entziehungsanstalt untergebracht sind und deren Therapie aussichtslos ist, werden in den Strafvollzug verlegt. Die Verlegung dorthin beantragt die Einrichtung des Maßregelvollzugs. Bis der entsprechende Beschluss des Gerichts rechtskräftig wird, vergehen in der Regel mehrere Wochen bis Monate. Während dieser Zeit erfolgt die Unterbringung weiter in der Entziehungsanstalt. Patienten, die wissen, dass sie in den Strafvollzug verlegt werden sollen, sind besonders fluchtgefährdet. Im Bereich der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß § 63 StGB tritt das Problem der Fehleinweisung oder –belegung nicht in diesem Ausmaß auf.


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Fetischismus

Fetischismus ist das Sexualverhalten, bei dem die geschlechtliche Erregung nur bei Anblick oder Berührung bestimmter Gegenstände, zum Beispiel einem Wäschestück oder einer Haarlocke, erfolgt.


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Forensische Ambulanz

Infolge der Reform der Führungsaufsicht wurden in Baden-Württemberg Forensisch-psychiatrische Ambulanzen (FPA) geschaffen. Die FPA betreuen entlassene Maßregelvollzugspatienten (vorwiegend § 63 StGB-Untergebrachte, in Einzelfällen auch § 64 StGB-Untergebrachte) nach. Hierdurch sollen Krisensituationen rechtzeitig erkannt und bewältigt werden, um erneute Straffälligkeit zu vermeiden. Auch für Entlassene aus dem Strafvollzug mit angeordneter Führungsaufsicht sind die FPA zuständig.


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Forensische Psychiatrie

Forensische Psychiatrie ist das Teilgebiet der Psychiatrie, das sich mit den juristischen Fragen befasst, die sich im Zusammenhang mit psychisch kranken Menschen stellen. Forensische Psychiatrie bedient in erster Linie drei Rechtsgebiete: Das Sozialrecht, wenn es zum Beispiel um Fragen der Berentung geht, das Zivilrecht, wenn es um die Geschäftsfähigkeit und das Betreuungsrecht geht, sowie das Strafrecht, wenn es um die Beurteilung der Schuldfähigkeit oder der Legalprognose eines Straftäters geht. Auch der Maßregelvollzug ist ein Bereich der Forensischen Psychiatrie.


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Forschung

An mehreren Universitäten in Deutschland wird zu forensisch- psychiatrischen Themen geforscht, teilweise in enger Zusammenarbeit mit Maßregelvollzugseinrichtungen, die in der Behandlung untergebrachter Rechtsbrecher besonders erfahren sind. Aktuelle Forschungsarbeiten befassen sich neben Fragen nach biologischen Merkmalen bei Rechtsbrechern beispielsweise mit Prognoseinstrumenten, Qualitätssicherung und -förderung bei der Begutachtung und Behandlung, mit Rückfällen und der Betreuung von Opfern.


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Frauen

Der Anteil der Patientinnen im Maßregelvollzug lag lange Zeit konstant bei etwa fünf Prozent. In den letzten Jahren hat er sich in Baden-Württemberg auf acht Prozent erhöht.