Lexikon mit Begriffen rund um den Maßregelvollzug

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Täter

Einige soziodemographische Daten:

  • Das mittlere Lebensalter der Patienten im Maßregelvollzug liegt bei etwa 35 Jahren. Die Altersverteilung gleicht damit der von Strafgefangenen. Patienten in der Allgemeinpsychiatrie sind dagegen im Durchschnitt deutlich älter.
  • Rund drei Viertel der untergebrachten Patienten sind ledig, nur etwa zehn Prozent sind verheiratet. In der Gesamtbevölkerung beträgt der Anteil der Verheirateten über 50 Prozent, bei Strafgefangenen rund 25 Prozent.
  • Der Frauenanteil beträgt im Maßregelvollzug etwa fünf bis zehn Prozent, im Strafvollzug ebenfalls. In der Allgemeinpsychiatrie liegt der Anteil der Frauen bei zirka 60 Prozent.
  • Etwa die Hälfte der Untergebrachten hat keinen Hauptschulabschluss erreicht, drei Viertel haben keine abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Etwa jeder dritte Patient verbrachte einen Teil seiner Kindheit und Jugend in einem Heim.
  • Zirka 60 Prozent der Patienten befanden sich vor dem Maßregelvollzug bereits zur Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

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Therapie

Therapie im Maßregelvollzug orientiert sich an den Behandlungs-Standards, die in der klinischen Psychiatrie, in der Psychotherapie und der Suchttherapie üblich sind. Absicht der Therapie ist es, Krankheit, Störung oder Behinderung vom Begehen von Straftaten zu entkoppeln. Bei der Therapie von Abhängigkeitserkrankungen kommen noch weitere Gesichtspunkte dazu: Der Kranke soll erkennen, warum er Suchtmittel konsumiert, und andere Verhaltensweisen erlernen. Ziel der Therapie ist eine zufriedene abstinente Lebensführung.
Verschiedene Formen der Therapie kommen zum Einsatz: Dazu zählen die medikamentöse Therapie (mit Neuroleptika, Stimmungsstabilisierern u. a.), Psychotherapie, Psychoedukation, Arbeits- und Beschäftigungstherapie (heil-)pädagogische Förderung, soziales Training und Pflege.
Zu Beginn der Therapie werden die Patienten sehr engmaschig kontrolliert. Abhängig vom Verlauf der Therapie wird ihnen schrittweise mehr Eigenverantwortung übertragen. Zugleich lernen die Untergebrachten Dinge, die für andere Menschen selbstverständlich sind: Die Grundregeln sozialen Verhaltens, die Gestaltung des Alltags durch Arbeit und Freizeit, die gewaltfreie Bewältigung von Konflikten und den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen.


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Therapieunterbringungsgesetz (ThUG)

Dieses Bundesgesetz trat zum 1.1.2011 in Kraft und regelt die „Therapierung“ und Unterbringung psychisch gestörter Gewalttäter, die in Folge einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte aus Sicherungsverwahrung zu entlassen sind.


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Tiefgreifende Bewusstseinsstörung

Tiefgreifende Bewusstseinsstörung ist ein juristisches Eingangsmerkmal, das die Schuldfähigkeit des Täters ausschließen oder vermindern kann. Die psychiatrische Diagnose, die diesem Merkmal zugeordnet werden kann, ist die akute Belastungsreaktion, die sich beim ansonsten psychisch gesunden Menschen in affektiven Erregungs- und Ausnahmezuständen äußert wie rasender Zorn, höchstgradige Eifersucht oder Panik.