Lexikon mit Begriffen rund um den Maßregelvollzug

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Pädophilie

Pädophilie ist das primäre sexuelle Interesse an Personen, die noch nicht die Pubertät erreicht haben. Sofern es dauerhaft ist und der Betroffene darunter leidet oder wenn die Person reale Sexualkontakte mit Kindern auslebt, wird Pädophilie als psychische Störung angesehen, und zwar als Störung der Sexualpräferenz ( Paraphilie). Unter den Pädophilen gibt es zum einen Menschen, die im Grunde erwachsene Sexualpartner vorziehen. Weil sie dabei aber frustrierende Erlebnisse hatten, leben sie ihre Sexualität mit Kindern aus. Zum anderen gibt es Menschen, die sexuell tatsächlich in erster Linie auf Kinder ausgerichtet sind. Eine dritte Gruppe ist die der Inzesttäter.


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Pädosexualität

Pädosexualität wird teilweise synonym zum Begriff Pädophilie benutzt teilweise wird er auch gezielt verwendet, um zwischen sexueller Präferenz (Pädophilie) und sexuellem Verhalten (Pädosexualität) abzugrenzen. Von pädosexuellem Verhalten kann man auch sprechen, wenn ein sexueller Kindesmissbrauch nicht auf eine fixierte pädophile Orientierung zurückzuführen ist, sondern der Täter aus anderen Beweggründen handelt z. B. als Ersatzobjekttäter, Inzesttäter oder als sadistischer Gewalttäter.
Das primäre Ziel einer Therapie besteht meist darin, sexuelle Handlungen an Kindern zu verhindern. In Einzel- und Gruppentherapien sollen die Patienten lernen, ihre Impulse zu kontrollieren und Verhaltensmuster, die den sexuellen Missbrauch begünstigen, zu vermeiden. Weitere Ziele können die Aufdeckung von Wahrnehmungs- und Interpretationsfehlern des Verhaltens von Kindern sowie die Stärkung der Empathiefähigkeit sein.


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Parallelstrafe

Bei psychisch kranken oder gestörten Tätern, deren Schuldfähigkeit nach § 21 StGB vermindert ist, kann das Gericht neben der Maßregel eine Freiheitsstrafe verhängen. Bei Tätern, die gemäß § 20 StGB schuldunfähig sind, ist dies nicht möglich.
Die Unterbringung im Maßregelvollzug erfolgt in der Regel vor der Strafe. Die Freiheitsstrafe wird vorgezogen, wenn der Zweck der Maßregel dadurch leichter zu erreichen ist, zum Beispiel um die Therapie- Motivation des Täters herzustellen oder zu fördern.


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Paranoid

Paranoid bedeutet wahnhaft, an wahnhaften Vorstellungen leidend.


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Paraphilie

Paraphilie ist der Oberbegriff für abweichendes Sexualverhalten, für ein Sexualverhalten also, das vom Durchschnitt einer Bevölkerungsgruppe abweicht. Die Bezeichnung wird verwendet, wenn Lust und Befriedigung vorrangig oder ausschließlich über spezielle sexuelle Praktiken erreicht wird, zum Beispiel Voyeurismus, Sadomasochismus, Fetischismus oder Sodomie.


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Patientenfürsprecher

Patientenfürsprecher vertreten die Interessen psychisch kranker Menschen und ihrer Angehöriger. Patientenfürsprecher gibt es in jedem baden-württembergischen Landkreis.


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Persönlichkeitsstörung, dissoziale

Menschen mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung missachten anhaltend soziale Normen und sind auffallend unbeteiligt gegenüber den Gefühlen anderer. Sie sind nicht in der Lage, längerfristig Beziehungen aufrecht zu erhalten, und haben eine geringe Toleranz für Frustrationen. Sie werden schnell aggressiv und gewalttätig. Täter mit dissozialen Persönlichkeitsstörungen haben eine eher schlechte Legalprognose, werden also überdurchschnittlich häufig rückfällig.


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Persönlichkeitsstörung, emotional instabile

Diese Störung ist gekennzeichnet durch impulsives und die Konsequenzen nicht beachtendes Handeln. Die Fähigkeit, vorauszuplanen, ist gering, kleine Anlässe können schon explosives und gewalttätiges Verhalten zur Folge haben. Eine besondere Form der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung ist die Borderline-Störung.


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Persönlichkeitsstörung, paranoide

Diese Störung ist gekennzeichnet durch übertriebene Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung, Nachtragen von Kränkungen, Misstrauen und die Neigung, Erlebtes zu verdrehen. Neutrale oder freundliche Handlungen anderer werden zum Beispiel als feindlich oder verächtlich missdeutet. Typisch sind auch wiederkehrende unberechtigte Verdächtigungen im Hinblick auf die sexuelle Treue des Ehegatten oder Sexualpartners. Oft bestehen Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung auch streitsüchtig und beharrlich auf eigenen Rechten. Diese Personen neigen zu überhöhtem Selbstwertgefühl und häufiger noch zu übertriebener Selbstbezogenheit.


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Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen wurden früher auch als abnorme Persönlichkeit, Soziopathie, psychopathische Persönlichkeit oder Psychopathie bezeichnet. Gemeint ist ein tief verwurzeltes Fehlverhalten mit entsprechenden zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Konflikten. Bei Menschen, die eine Persönlichkeitsstörung haben, sind das innere Erleben und das Verhalten dauerhaft gestört. In Mitleidenschaft gezogen sind die Affekte, das Denken, das Erleben, die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Fähigkeit, Impulse zu kontrollieren. Persönlichkeitsstörungen können einen Menschen in seinem Befinden, im beruflichen und allgemeinen sozialen Leben und in seinen persönlichen Beziehungen beeinträchtigen. Sie erscheinen in jungen Jahren und ihre Anfänge können bis in die Kindheit zurückverfolgt werden. Sie sind hartnäckig und schwer zu behandeln.
Strafrechtlich bedeutsam sind vor allem die dissoziale Persönlichkeitsstörung, die emotional instabile Persönlichkeitsstörung, zu der auch die Borderline-Störung gehört, und die paranoide Persönlichkeitsstörung.


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Posttraumatische Belastungsstörung

Sie findet sich häufig bei Opfern von Straftaten. Es handelt sich um eine der möglichen Reaktionen auf ein psychisches Trauma wie eine Vergewaltigung, eine Geiselnahme, Krieg oder schwerer Unfall. Abgekürzt wird die posttraumatische Belastungsstörung auch PTSD genannt, abgeleitet von der englischen Bezeichnung Post Traumatic Stress Disorder. Typische Symptome sind so genannte Intrusionen: belastende Gedanken und Erinnerungen an das Trauma, die sich aufdrängen, auch in Form von Bildern, Albträumen oder Flashbacks (kurzzeitiges Wiedererleben). Nicht selten kommen Erinnerungslücken hinzu. Oft sind die Betroffenen übererregt, was sich durch Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, vermehrte Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen bemerkbar macht. Häufig vermeiden traumatisierte Personen Situationen, die sie an das Trauma erinnern oder Erinnerungen auslösen könnten. Nicht selten ziehen sich die Betroffenen zurück, leiden unter Interessensverlust oder innerer Teilnahmslosigkeit. Für die Therapie eines Patienten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung sollte ein Therapeut über besondere Kenntnisse und Behandlungsmethoden verfügen.


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Prognose

Forensisch-psychiatrische Sachverständige erstellen vor, während und zum Ende der Unterbringung im Maßregelvollzug Prognosen in Form von Gutachten. Vor Beginn der Behandlung treffen sie im Rahmen des Erkenntnisverfahrens eine prognostische Aussage über die Gefährlichkeit des Straftäters. Während der Unterbringung machen sie Lockerungen von prognostischen Aussagen abhängig. Vor Beendigung der Unterbringung prüfen Sachverständige, ob vom Untergebrachten außerhalb des Maßregelvollzugs rechtswidrige Taten zu erwarten sind und leiten daraus eine Legalprognose ab. Wesentliche Kriterien für die Beurteilung der Gefahr von Rückfällen sind:

  • die Abnahme der Krankheitssymptomatik,
  • die Festigung beziehungsweise Nachreifung der Persönlichkeit,
  • die Krankheits- und Behandlungseinsicht,
  • die Fähigkeit, sich an einen Therapeuten oder eine andere Bezugsperson zu binden,
  • die kritische Auseinandersetzung mit der Tat,
  • der verantwortliche Umgang mit Lockerungen,
  • eine ausreichende Impulskontrolle,
  • gute soziale Kontakte,
  • realistische Zukunftsvorstellungen,
  • ein günstiger sozialer Empfangsraum.

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Prognoseinstrumente

Die Vorhersage von Gewalttaten ist ein höchst komplexes Unterfangen. Die forensische Forschung beschäftigt sich deshalb stark mit Möglichkeiten, Prognosen treffsicherer zu machen. Es wird versucht, Instrumente in Form von standardisierten Checklisten zu entwickeln, mit denen die bisherige Prognose-Praxis verbessert werden kann. Strukturierte Prognoseinstrumente (zum Beispiel PCL-R, HCR- 20) können bestimmte Gruppen von Personen mit sehr hohem Risiko für Rückfälle relativ zuverlässig identifizieren. Sie sind aber nur ein Baustein in der Prognoseerstellung. Von den drei methodischen Ansätzen zur Kriminalprognose – intuitive, aktuarische und klinische Beurteilung – erlaubt insbesondere die Kombination von aktuarischen, also aus Rückfallstatistiken hergeleiteten Gesichtspunkten mit einem klinischen Bewertungsansatz die angemessene Vorhersage für den Einzelfall.


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Psychoedukation

Bei den psychoedukativen Behandlungsansätzen wird den Betroffenen Hintergrundwissen über die Erkrankung und deren Behandlung vermittelt. Die Kranken entwickeln dadurch zum einen mehr Verständnis für die eigenen Einbußen und Empfindlichkeiten. Zum anderen lernen sie, durch welche Verhaltensweisen sie ihre Selbstheilungskräfte stärken und fördern können.


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Psychopharmaka

Psychopharmaka werden in vier Gruppen unterschieden:

  • Schlafmittel oder Hypnotika
  • Tranquilizer oder Beruhigungsmittel
  • Antidepressiva
  • Neuroleptika.

Psychopharmaka unterdrücken Symptome psychischer Störungen wie Angst, Depressivität oder Halluzinationen. Die dahinter stehenden Krankheiten beseitigen sie nicht. Die heute zur Verfügung stehenden Psychopharmaka sind unentbehrliche Hilfsmittel bei der Behandlung schwerer psychischer Störungen – trotz teilweise unangenehmer bis gesundheitsgefährdender Nebenwirkungen.


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Psychose

Dieser Oberbegriff wird für schwere psychische Störungen verwendet, die mit einem zeitweiligen weitgehenden Realitätsverlust einhergehen. Neben den Schizophrenien wird die Bezeichnung auch für organische und affektive Störungen (Manien, Depressionen) und kurzzeitige psychotische Störungen verwendet, wenn die Realitätsprüfung beeinträchtigt ist. Mischformen zwischen affektiven und schizophrenen Psychosen werden schizoaffektive Störungen genannt.


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Psychotherapie

Psychotherapie heißt wörtlich übersetzt „Behandlung mit seelischen Mitteln“. Formen der Psychotherapie sind zum Beispiel die Verhaltenstherapie, die Gesprächstherapie und die Psychoanalyse. Die Psychotherapie ist neben der psychiatrisch-medikamentösen Behandlung mit Neuroleptika und Antidepressiva ein wichtiger Baustein in der Behandlung psychisch kranker und gestörter Menschen.