Lexikon mit Begriffen rund um den Maßregelvollzug

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Behinderung, geistige

Siehe Intelligenzminderung.


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Belegung

Die Belegung in den Einrichtungen des Maßregelvollzugs ist in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland erheblich angestiegen. Das gilt auch für Baden-Württemberg. Die Ursachen sind nicht eindeutig festzumachen. Mehrere Gründe geben aber wohl den Ausschlag: Zum einen hat sich die Einweisungspraxis bei Gutachtern und Gerichten verändert. Zum anderen stellen Richter und Therapeuten zunehmend vorsichtigere Prognosen, wenn es um die Entlassung geht. Mit dem Anstieg der Belegung ist auch die Zahl des therapeutischen Personals im Maßregelvollzug angestiegen.


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Berufsgruppen

Das Team der Behandler im Maßregelvollzug ist multiprofessionell besetzt. An der Besserung und Sicherung der psychisch kranken oder gestörten Straftäter wirken mit: Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Arbeitserzieher, Sporttherapeuten, Bewegungstherapeuten und Lehrer sowie vor allem Krankenschwestern und Krankenpfleger, Heilerziehungspfleger und Erzieher. Die Mitarbeiter aus den verschiedenen Berufen tauschen sich regelmäßig in Besprechungen über ihre Beobachtungen und Erfahrungen aus. Das ist wichtig, weil jeder Mitarbeiter die Patienten aus einem anderen Blickwinkel beurteilt. Aus den verschiedenen Ansichten formt sich der Behandlungsplan für den Patienten.


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Besserung und Sicherung

Besserung und Sicherung lautet der gesetzliche Auftrag für die Unterbringung im Maßregelvollzug. Die untergebrachten Patienten haben demnach einen Anspruch darauf, dass ihre psychische Krankheit oder Störung angemessen behandelt wird. Zugleich hat die Gesellschaft ein Recht darauf, vor den untergebrachten Patienten geschützt zu werden. Jede Behandlung findet also im Spannungsfeld zwischen gesetzlich bestimmtem Therapieauftrag und dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung statt.


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Borderline-Störungen

Borderline-Störungen sind Persönlichkeitsstörungen. Sie werden unter anderem auch als Borderline-Persönlichkeitsstörungen und emotional instabile Persönlichkeitsstörungen vom Borderline-Typus bezeichnet. Eine allseits anerkannte Definition ist schwierig. Kurz gesagt: Die Borderline-Störung ist ein vielschichtiges Leiden mit entsprechend schwierigen Patienten. Und: Borderline-Patienten sind nur in ihrer Instabilität stabil.
Das Leidensbild ist beschwerlich bis zermürbend – nicht nur für die Patienten, sondern auch für das nähere und sogar weitere Umfeld. Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen spalten sie in gute und böse auf. Den Menschen, den sie im einen Moment idealisieren und verklären, verdammen und entwerten sie im nächsten. Ihre Stimmung schwankt extrem. Für andere Menschen sind diese Stimmungsschwankungen kaum berechenbar. Patienten mit Borderline-Störungen neigen auch zur Selbstbeschädigung, zum Beispiel durch Alkohol-, Nikotin- oder Drogenmissbrauch, aber auch zur psychosozialen Selbstbeschädigung wie durch ruinöses Glücksspiel. Diese selbst-aggressiven Durchbrüche gehen hin bis zu Selbstverletzungen („Ritzen“) oder Selbsttötung. Typisch sind auch eine hochgradige Empfindlichkeit gegen jegliche Kritik, chronische Gereiztheit, Zorn, Wut oder Erregungszustände. Der Verlauf einer Borderline-Störung ist in der Regel langwierig bis chronisch. Die Therapie ist schwierig, die Heilungsaussicht sehr begrenzt. Am erfolgreichsten scheint eine Kombination aus stützender, begleitender Psychotherapie, pädagogischen Bemühungen und medikamentöser Behandlung zu sein.


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Boulevardpresse

Sie setzt im Zusammenhang mit dem Maßregelvollzug und psychisch kranken und gestörten Straftätern auf Begriffe wie „Psychoknast“, „Alcatraz für Psychopathen“, „Irrenhaus der Nation“, „Sittenstrolch“, „wandelnde Zeitbombe“, „Rhein-Ruhr-Ripper“, „Würger von Regensburg“, „Heidemörder“, „Hammermörder“, „Triebtäter“. Kritik der Mitarbeiter in den Einrichtungen des Maßregelvollzugs: Die Boulevardpresse greife einzelne Fälle heraus, stelle sie reißerisch und effektvoll dar, arbeite mit Vereinfachungen und Verallgemeinerungen und schüre Ängste.