Fragen & Antworten

Maßregelvollzug in der Forensischen Psychiatrie: Eine zweite Chance für psychisch kranke und suchtkranke Straftäter?

Forensische Psychiatrie ist ein elementarer Bestandteil der psychiatrischen Versorgung.

Sie befasst sich mit der Behandlung, Begutachtung und Unterbringung psychisch kranker Straftätern.

Abhängig von der Schwere ihrer Schuld kann der zuständige Richter für psychisch Erkrankte oder Suchtkranke, die straffällig geworden sind, eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt anordnen. Diese Maßnahme nennt man Maßregelvollzug in Abgrenzung zum Strafvollzug in einer Justizvollzugsanstalt.

Rechtsbrecher, die im Zusammenhang mit ihrer psychischen Erkrankung oder ihrer Sucht straffällig geworden sind, haben einerseits einen verfassungsrechtlich begründeten Anspruch auf eine effektive und freiheitsorientierte kriminaltherapeutische Behandlung. Andererseits lohnt es sich für eine freiheitlich orientierte Gesellschaft nicht nur aus ethischen Gründen, diesen Personen die Chance zur Rückkehr in ein Leben ohne Straftaten zu ermöglichen.

Die Rückfallgefahr von ehemaligen Straftätern, die erfolgreich eine Maßregelbehandlung erhalten haben, ist wesentlich geringer als die von Straffälligen, die ihre Haft ohne Therapie im Strafvollzug verbüßt haben. Die Rechtsprechung orientiert sich bei ihren Urteilen daher in den letzten Jahren verstärkt an dem Prinzip „Therapie vor Strafe“. Mit dieser veränderten Spruchpraxis stieg allerdings auch der Bedarf an Behandlungsplätzen im Maßregelvollzug.