Poträt Kübler

Fachpflegekraft in der Forensik: Ungeachtet der Regelberge stets den menschlichen Blick bewahren!

(Quelle: PZN Report 2012/2013)

Nach nunmehr drei Jahrzehnten in der psychiatrischen Pflege und fast ebenso langer Tätigkeit in der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden ist sich Matthias Kübler, heute Stationsleiter des Aufnahme- und Orientierungs- bereichs der Klinik (Station 11) in einem sicher: Nur wenn es gelingt, Zugang zum Patienten zu finden und Verständnis für ihn zu entwickeln, kann das Therapieziel im Maßregelvollzug erreicht werden.

Der erfolgreiche Aufbau einer therapeutischen Beziehung im Rahmen der Bezugspflege schafft seiner Erfahrung nach die richtige Voraussetzung dafür, dass der Patient Schritt für Schritt in weniger gesicherte Bereiche gehen kann. Wenn die Pflegekraft schließlich spürt, dass die abwehrende Haltung aufgegeben wird und stattdessen die Rückmeldung kommt: „Jetzt habe ich verstanden“, ist ein erster Meilenstein in der Behandlung erreicht. Die Patienten signalisieren damit ihre Verantwortungsbereitschaft und lernen, sich im Bedarfsfall selbst Hilfe zu holen.

Kübler bezeichnet es als sein persönliches Anliegen, den Vorurteilen gegenüber dem Maßregelvollzug, sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld, entgegenzuwirken. Der sportliche Wieslocher wird nicht müde, auch im Freundeskreis Klarheit über seine Arbeit zu schaffen. Im Unterricht in Krankenpflegeschule in Bretten stößt er auf reges Interesse der Schüler, wenn er über die Standards der psychiatrischen Krankenpflege hinaus die besonderen Anforderungen der Bezugspflege im Maßregelvollzug vermittelt.

Im Stationsalltag einer forensischen Klinik ist gut koordinierte Teamarbeit unter den betreuenden Pflegekräften extrem wichtig. Es gilt, trotz immenser Regelberge stets auch den menschlichen Blick zu bewahren. Vor allem aber warnt Kübler junge Kollegen davor, die Möglichkeiten der Macht auszunutzen und damit dem Patienten das Gefühl der Ohnmacht zu vermitteln. Rund 60 % der MRV-Patienten leiden an Psychosen. „Mit Angst als Verhaltensauslöser muss extrem vorsichtig umgegangen werden“, weiß der erfahrene Stationsleiter.

Weil es oftmals einer Gratwanderung gleichkommt, im Verhältnis zum Patienten einerseits das notwendige Vertrauen zu schaffen und andererseits im Bedarfsfall doch kontrollierend oder reglementierend einzugreifen, werden junge Mitarbeiter in den ersten Monaten von erfahrenen Mentoren begleitet. Besonders positiv wirkt sich die multikulturelle Zusammensetzung des 30-köpfigen Stationsteams, darunter 10 weibliche Kräfte, aus. Kulturell bedingte Unterschiede im Unrechtsbewusstsein können so besser verstanden und daraus resultierende Konflikte vermieden werden. Kommt es dennoch zu Übergriffen oder besonderen Vorfällen erhalten die Mitarbeiter therapeutische Hilfe von externen Fachkräften. Das PZN investiert viel in die Fachweiterbildung der Mitarbeiter, um sie für die besonderen Anforderungen in der Kommunikation und der Pflege der Beziehungsebene zu qualifizieren.