Patientengeschichten aus dem Maßregelvollzug

 

Yunus C., 34 Jahre alt, wurde wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und dessen Handeltreibens zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 4 Jahren und 3 Monaten verurteilt.

Ich bin seit August 2011 in einer Therapie gemäß § 64 StGB untergebracht worden. Die offizielle Freiheitsstrafe ist im Februar 2014 abgelaufen. Derzeit befinde ich mich in der verlängerten Höchstfrist, die im Dezember 2014 umfänglich erreicht wird.

Ich habe aufgrund meiner Suchterkrankung 9 Vorstrafen und letztlich auch mir einen Schaden zugefügt, den ich bereue. Mein Übungsfeld war sehr hart und ich habe allgemein eine sehr schwere Zeit überwinden müssen. In der Vergangenheit habe ich vieles verloren und habe nun doch gewonnen.

Ich nutzte das Angebot der Klinik und die Chance meines Lebens mit Verzögerung. Dabei wurde ich trotz der unglücklichen Bedingungen nicht von der Klinik im Stich gelassen. Habe mit meinem Ehrgeiz und Willen, in fünf Abschnitten viele Themen bearbeitet, die auch mit einer Verhaltenstherapie verbunden waren. Zugleich absolviere ich einen Hauptschulkurs mit einem Notendurchschnitt von sehr gut.

Ich habe meinen Feind, die Drogen und die Kriminalität, gut bewältigen können. Mit dem erfolgreichen Abschluss werde ich eine Ausbildung absolvieren. Mit dem Stolz, 4 Jahre und 6 Monate clean zu sein, kann ich meinen Platz in der Gesellschaft einnehmen.

Als ich hierher kam, war ich ein misstrauischer und gefühlskalter Typ. Geplagt von Sarkasmus und Ironie musste ich lernen, dass Hilfe und Therapie nicht gleichbedeutend mit Kopfstreicheln ist.

Anfangs wehrte ich mich, verbog mich nicht und rebellierte, doch je mehr ich von mir erzählte und je mehr Emotionen ich zuließ, je besser lernte ich mich kennen und umso ausgeprägter wurde mein Vertrauen zu Bezugspflegern und Therapeuten.

Nach einer Zeit mochte ich den Menschen der in dem Typen steckte, er erinnerte mich an den kleinen Bub mit Wünschen, Träumen und Idealen und ich wuchs an mir selbst und veränderte mich. Ich lernte, Beziehungen zu pflegen, Menschen wichtig zu nehmen und nicht wie Dreck zu behandeln. Integrativ zu sein und meine Emotionen zu akzeptieren.

Von M2 auf M4 und von M4 auf P und das war mein Jackpot. Auf M4 zog ich mich langsam zurück, war in mich gekehrt, nachdenklich und machte Rückschritte aufgrund verschiedener Unstimmigkeiten und es wurde beschlossen, dass ich auf P verlegt werde. Mein Bezugspfleger lag mir am Herzen, ein Jahr drehten und wendeten wir jeden Stein der mir auf der Seele lag und ich war erst nicht begeistert, nahm es dann aber als Chance neu anzufangen.

Angekommen auf P bekam ich meinen Bezugspfleger der Zugangsstation zurück, ich vertraute ihm und das gab mir ein Stück Sicherheit. Ich war nun wieder ich, konnte zusammen mit anderen Menschen am Aufbau einer neuen Station mitwirken und meine Menschlichkeit, Emotionalität und Aufgeschlossenheit leben.

Gemeinsam mit Pflegeteam und Mitpatienten sind es nun genau diese menschlichen Dinge, die die Station P so besonders für mich machen, klar Kopfgestreichel gibt es immer noch nicht, aber Menschen.

Ich bin Dennis, 28 Jahre alt. Verurteilt wegen schweren Diebstahls in mehreren Fällen zu einer 18monatigen Haftstrafe + § 64. Ich habe noch 2 Jahre offene Bewährungsstrafe.

Ich wuchs in zerrütteten Familienverhältnissen auf. Mein Vater ist, seit dem ich denken kann, stark alkoholabhängig und gewalttätig zu uns gewesen. Mit 11 Jahren kam ich ins Heim und kam nie wieder zurück. Der Kontakt zu Eltern und Geschwistern endet da. Im Alter von 8 Jahren begann ich Alkohol zu konsumieren, mit 13 Jahren Heroin und anderes. Heimunterbringung und Gefängnisaufenthalte folgten.

Alkohol und Drogen gaben mir das Gefühl von Wärme und Geborgenheit (wie eine Familie). Die Gefühle wie Angst, Trauer oder Einsamkeit spürte ich nicht mehr. Ich konnte das Erlebte vergessen, verdrängen.

Ich bin seit 15 Jahren süchtig und kriminell und habe in dieser Zeit zweimal eine Therapie nach § 35 abgeschlossen, in denen ich meine Themen wie Ursachen, Kindheit und Suchtentstehung nur oberflächlich, nie als wichtig, und halbherzig anging.
Ich war mir meiner Suchterkrankung und dass mich diese mein Leben lang begleitet nicht richtig bewusst und wollte es auch nicht glauben. Worauf dann die Rückfälle über Arbeitssucht und Selbstüberschätzung folgten.

Als ich vor 10 Monaten in die Klinik Nette-Gut aus der JVA kam wusste ich noch nicht ob ich das wirklich wollte. Anfangs hatte ich sehr viel Zweifel und Misstrauen gegenüber mir und anderen, Team und Mitpatienten. Ich konnte mich nur schleppend und sehr schwer auf Themen einlassen, da mir bewusst war, dass das mit sehr vielen Gefühlen, die ich bisher vermeiden wollte, verbunden war. Erst als man mich darauf hinwies, dass ich eine Entscheidung treffen müsste, war ich bereit mich voll und ganz auf die Therapie einzulassen. Inzwischen habe ich einige Kernthemen wie z.B. Kindheit oder Suchtentstehung bearbeitet, woraus ich einige Verhaltensmuster und Persönlichkeitsdefizite erkennen konnte und in der Lage war daran zu arbeiten.

Ich beginne langsam mir vorzustellen auch anders leben zu können. Ohne Drogen. Ich bin jetzt seit 1 Monat über der Endstrafe und weiß, dass ich noch ein paar Monate hier dranhänge. Aber was sind ein paar Monate im Vergleich zu den verschenkten Jahren.

 

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