Patientengeschichten aus dem Maßregelvollzug

 

 

Herr B. wurde am 12.04.2000 wegen gefährlicher Körperverletzung, welche er in schuldunfähigem Zustand im Rahmen einer akuten Psychose bei zusätzlicher erheblicher Alkoholisierung begangen hatte, in die Klinik aufgenommen.

Vorgeschichte
Der 1953 geborene Herr B. wuchs mit sieben Geschwistern in einer Familie ungarischer Herkunft auf und absolvierte nach dem Abschluss der Hauptschule eine Ausbildung als Gas-/Wasserinstallateur. Die Eltern wanderten 1975 nach Kanada aus. Nach kurzer Berufstätigkeit unternahm er längere Fernreisen, lebte zunehmend unstet und war ab 1975 überwiegend ohne festen Wohnsitz.
In Folge einer 1974 diagnostizierten paranoiden Schizophrenie kam es zu zahlreichen stationär-psychiatrischen Behandlungen aufgrund fehlender Krankheitseinsicht. Zusätzlich entwickelte Herr B. einen Alkoholmissbrauch, der schließlich in eine Abhängigkeit mündete. Nach mehreren Inhaftierungen wegen Körperverletzungen, Diebstahl und Sachbeschädigungen wurde er 1994 – zunächst zur Bewährung ausgesetzt – erstmals in der forensischen Psychiatrie untergebracht. Nach erneuten Straftaten befand sich der Patient seit 2000 durchgängig in der Klinik. Seit 2009 nach Aussetzung der Unterbringung zur Bewährung wurde er in der forensischen Ambulanz betreut. Nach Ablauf der Führungsaufsicht im März 2014 blieb Herr B. freiwillig in ambulanter Behandlung.

Behandlungsverlauf
Nach wechselhaftem Behandlungsverlauf stabilisierte sich das Befinden, die Psychose ging vollständig zurück und der Patient entwickelte eine tragfähige Behandlungseinsicht, so dass er sich auf die verschiedenen Behandlungsangebote einlassen konnte. Er konnte in einen gemeinsamen Haushalt mit einem seiner Brüder entlassen werden und arbeitete zeitweise im gleichen Betrieb, in welchem der Bruder tätig ist, als Aushilfskraft.
Herr B. schaffte es, im Verlauf der ambulanten Behandlung, eine dauerhafte Alkohol- und Drogenabstinenz einzuhalten, die notwendigen Medikamente eigenständig und zuverlässig einzunehmen und seinen Tagesablauf weitgehend selbständig zu organisieren. Auch mehrere Fernreisen absolvierte er ohne Rückfall und organisierte dabei selbständig seine Depotmedikation. Im Umgang war Herr B. stets freundlich, zugewandt und humorvoll. Auch nach Ablauf der Bewährung hielt er die Suchtmittelabstinenz ein.
Insgesamt kann von einem sehr guten Behandlungsverlauf ausgegangen werden. Der früher sehr unstete Patient entwickelte tragfähige Anbindungen und kann nunmehr ein weitgehend geregeltes, selbstständiges Leben führen.

(Quelle: PZN Report 2013/2014)

Ein 37-jähriger Chemiearbeiter vermutet seit circa einem Jahr, dass seine Ehefrau ihn vergiften will, um eine Liaison mit einem seiner Arbeitskollegen einzugehen.

Bei der letzten Betriebsfeier hatte er bemerkt, dass seine Frau einmal mit dem Kollegen getanzt hatte. Um sich vor giftigen Gasen zu schützen, war er vor kurzem in das Dachgeschoss der Wohnung umgezogen und hatte sämtliche Lüftungsschächte, Fenster und Türen aufwändig abgedichtet. Schließlich kommt es beim Mittagessen zwischen ihm und seiner Ehefrau zu einem Streit über den merkwürdigen Geschmack der Mahlzeit. Er fühlt sich in seinem Verdacht bestätigt, dass seine Frau ihn vergiften will. Plötzlich attackiert er seine Frau mit einem Messer. Durch eigene Gegenwehr und mit Hilfe des 14-jährigen Sohnes kann die Frau mit Schnittverletzungen an Armen und Händen entkommen. In der Gerichtsverhandlung erkennt das Gericht aufgrund eines psychiatrischen Sachverständigengutachtens die Schuldunfähigkeit des Mannes an, der infolge einer akuten Psychose an Wahnvorstellungen leidet und daher aus seiner Sicht in Notwehr handelte. Da die psychische Erkrankung auch zum Zeitpunkt der Verhandlung besteht und von dem Mann weiterhin eine Gefahr ausgeht, ordnet das Gericht die Unterbringung in einer Maßregelvollzugsklinik an.

(Quelle: Broschüre „Therapie schafft Sicherheit“, MRV in Rheinland-Pfalz)

Ein 24-jähriger Mann, der seit früher Jugend alkoholabhängig ist und bereits mehrere stationäre Behandlungen absolviert hat, wird erneut alkoholrückfällig.

Da er häufig betrunken ist, verliert er seine Arbeitsstelle. Seine Freundin trennt sich von ihm. Er hat finanzielle Probleme, weil er die von der Agentur für Arbeit geforderten Unterlagen zur Bewilligung von Arbeitslosengeld nicht eingereicht hat. Als nun auch noch der Vermieter mit der Kündigung der Wohnung wegen der lautstarken nächtlichen Trinkgelage und der mehrfachen Beleidigung anderer Mietparteien droht, trinkt der Mann noch mehr und häufiger Alkohol. Bei einem Gang durch die Stadt auf der Suche nach Alkohol entschließt sich der Mann, eine Tankstelle zu überfallen, um sich Alkohol, Zigaretten und Bargeld zu besorgen. Nach dem Überfall wird er aufgrund einer Videoaufzeichnung schnell verhaftet. In der Gerichtsverhandlung gibt der Mann seine Tat zu. Das Gericht ordnet auf der Basis eines psychiatrischen Sachverständigengutachtens die Unterbringung in einer Maßregelvollzugsklinik und eine Haftstrafe an.

(Quelle: Broschüre „Therapie schafft Sicherheit“, MRV in Rheinland-Pfalz)

 

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