Aktuelle Entwicklungen

Optimierung der Behandlungsplanung in der Klinik Nette-Gut

Im Rahmen eines Audits "Therapieplanung und Pflegeprozesse" des QM- Steuerungskreises der Klinik Nette-Gut wurde festgestellt, dass sich berufsgruppenübergreifend die Therapieziele nicht immer decken bzw. eine nachvollziehbare professionelle Planung der Therapieziele und deren Zielerreichung nicht immer erkennbar in der Behandlungsplanung erscheinen. Dies führte in der Psychotherapeutischen Abteilung der Klinik Nette-Gut zur Bildung einer Projektgruppe mit dem Ziel, die Behandlungsplanung zu optimieren.

Auftrag der Projektgruppe war es einen Standard zu entwickeln, der sich an den gesetzlichen Vorgaben und dem Ergebnis des Audits orientiert. Es sollten Therapieziele des Behandlungs- und Eingliederungsplans klar definiert werden, damit die einzelnen Berufsgruppen ihre Ziele davon ableiten können oder sich daran orientieren können. Dabei sollte die Entwicklung in den letzten 6 Monaten sowie konkrete Zieldarstellung für die kommende 6 Monate nachvollziehbar und berufsgruppenübergreifend dargestellt werden.

In dem Maßregelvollzugsgesetz Rheinland-Pfalz (MVollzG RLP) ist unter Berücksichtigung der Persönlichkeit, des Alters, des Entwicklungsstands, sowie der Lebensverhältnisse des untergebrachten Patienten unverzüglich ein Behandlungs- und Eingliederungsplan aufzustellen, der alle 6 Monate angepasst werden muss.

Dieser soll Angaben enthalten über
1. die medizinische, psychotherapeutische, pädagogische und arbeits- oder beschäftigungstherapeutische Behandlung,
2. die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen sowie
3. medizinische, soziale und berufliche Eingliederungsmaßnahmen (§ 4 MVollzG RLP).

Die Projektgruppe stellte fest, dass eine berufsgruppenübergreifende, sowohl am Störungsbild als auch an der Kriminalität des Patienten ansetzende Behandlungsplanung, Grundlage der forensischen Therapie ist.

Aus diesem Grunde muss eine Planung anhand einer detaillierten Delikthypothese unter Berücksichtigung der Ressourcen des Patienten und der Therapiehemmnisse erfolgen. Des Weiteren werden sowohl langfristige Ziele, die erreicht werden müssen, um eine Entlassung aus dem Maßregelvollzug zu begründen und sich als roter Faden durch die Therapie ziehen, als auch kurzfristige, die innerhalb der nächsten 6 Monate realistisch zu erreichende sind, formuliert. Dies ist unter anderem auch erforderlich, um die Behandlungsmotivation der Patienten aufrecht zu erhalten. Wichtig ist dabei die Kommunikation der Therapieziele mit allen an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen und natürlich mit dem Patienten.

Letztlich kann das Ergebnis der Projektgruppe als hoch strukturiert, multiprofessionell, an den Bedürfnissen der Patienten und auf der Grundlage moderner forensischer Kriminaltherapie verstanden werden. Der Erarbeitete Standard der Psychotherapeutischen Abteilung wird nun in der Praxis umgesetzt. Hierbei werden Fallvorstellungen in multiprofessionellen Treffen durchgeführt. Wir erwarten uns einen vorausschauenden, transparenten und überprüfbaren Behandlungsverlauf.

Die Mitglieder der multiprofessionell besetzten Projektgruppe:
(von links) D. Weingarten, W. Weidmann, M.-C. Müller, M. Mol, Dr. F. Goldbeck